Im Jahr 1998 liefen die Arbeiten zur Reaktivierung der Wasserkraftanlage Linach. In einem ersten Schritt wurde die Stromerzeugung wiederhergestellt - noch ohne die Nutzung der Staumauer. Die Firma Franz Heitzmann Wasserkraftanlagenbau in Rottweil war für die Koordinierung und Ausführung verantwortlich.
Der Ausschuss Technische Betriebsführung hat die Arbeiten begleitet. Wilfried Heizmann - ebenfalls im Technischen Ausschuss - hat die vielen Arbeitsschritte in Bildern festgehalten, von denen wir Ihnen einige zeigen wollen.
Da kein Aufstau erfolgte, musste das Wasser durch einen Ausleitungskanal dem Stollenmund zugeleitet werden, daher die umfassenden Arbeiten im Staubecken.
Rechts das fertiggestellte Einleitungsbauwerk. Die Öffnung unten ist der Grundablass des späteren Ausleitungskanals. Im Hintergrund, ungefähr in der Mitte des Bildes, steht eine Betonbrücke mit einer Traglast von bis 30 Tonnen. Sie ist notwendig um später bei Renovierungarbeiten mit schwerem Gerät zur Wasserseite der Talsperre zu gelangen.
Der Stollen
Im 315 m langen Stollen, der im Venturihaus endet, waren keine größeren Renovierungsarbeiten notwendig. Er wurde beim Bau der Anlage 1922 in den massiven Felsen gesprengt und anschließend mit Beton ausgespritzt. An einigen Stellen wurden bei der Reaktivierung Löcher im Spritzbeton ausgebessert und bei Hochwassern in den Stollen geschwemmtes Geröll mußte entfernt werden.
Das Venturihaus ist benannt nach dem italienischen Erfinder Venturi (1746 - 1822 ), bzw. nach seiner Erfindung, dem Venturirohr. Mit dessen Hilfe wurde ursprünglich die Durchflußmenge in der Rohrleitung gemessen. An dessen Stelle wurde bei der Reaktivierung ein Ultraschallgerät eingebaut. Übersteigt die Durchflußmenge, z.B. auf Grund eines Rohrbruchs, einen bestimmten Wert schließt eine ebenfalls im Venturihaus eingebaute Drosselklappe automatisch. Weiterhin ist im Venturihaus der Übergang vom Stollen zur Rohrleitung.
Die Hangrohrleitung
Die ursprünglich unterirdisch verlegte Hangrohrleitung bestand aus einer eisenbetonummantelten Holzrohrleitung mit einer Nennweite von einem Meter und einer Länge von 1665 Metern.
Vorteil von Holz ist ein um ca. 20% niedrigerer Reibungskoeffizient im Vergleich zu einem Eisenrohr. Ausschlaggebend war jedoch der große Waldreichtum der Stadt Vöhrenbach, Holz war in großen Mengen preisgünstig vor Ort vorhanden.
Bedauerlicherweise wurde beim Zusammenbau der Leitung aufgrund des Zeitdruckes nicht sachgemäß vorgegangen. Die Folge waren eine große Anzahl an Leckagen. Damals war die Hangrohrleitung nicht wie im derzeitigen Zustand so gut wie drucklos, sondern sie mußte dem Druck des Stausees standhalten, ca. 2,5 bar. Es existiert ein Lageplan der Hangrohrleitung vom damaligen Kraftwerksleiter Grüninger aus dem Jahre 1947 in dem über 20 Leckstellen eingezeichnet sind. Reparaturen waren, da die Leitung unterirdisch verlegt war, seh<b<r umständlich. Der Wasserverlust betrug zeitweise bis zu 1/3 der Durchflußmenge.
Die restlichen 1064 Meter der Hangrohrleitung wurden 1955 ebenfalls durch eine Stahlrohrleitung ersetzt. Der Durchmesser der Leitung beträgt 1,20 Meter. Gelagert wird dieser Teil der Hangrohrleitung an Festpunkten und Rollenlagern. Die Festpunkte wurden an den Kurven der Rohrleitung angebracht. Die Rollenlager befinden sich auf den geraden Teilstücken der Rohrleitung. Zusätzlich wurden dort die sogenannten Stopfbüchsen eingeschweißt. Sie dienen der Kompensation des Dehnungsausgleiches. Funktion: ein Rohr mit einem etwas kleineren Durchmesser läuft in einem Rohr mit einem größeren Durchmesser. Abgedichtet wird die „Stopfbüchse“ mit einer umlaufenden und einem Flansch zusammengedrückten Fettschnur.
Zwischen Verteilerrohr und den Turbinen sind jeweils Schieber eingebaut. Sie nehmen den Wasserdruck nach Abschalten der Turbinen auf und entlasten diese. Auf dem Bild sieht man einen alten Schieber. Über ein Gestänge und des am Ende angebrachten Winkeltriebes konnte er vom Turbinenraum aus betätigt werden.
Die neuen Schieber, im Bild schon auf den Abgang zur Turbine aufgeflanscht, sind bauartbedingt wesentlich kleiner. Darüber befindet sich ein Wellrohr, daß die Vibrationen zwischen Fallrohr / Verteilerrohr und den Turbinen dämpft. Links davon sieht man das untere Ende eines noch nicht fertig eingebauten Saugrohres. Unterhalb dieses Raumes befindet sich der Ablaufkanal des Kraftwerkes. Die Saugrohre müssen bei diesem Turbinentyp mit dem unteren Ende vollständig im Wasser des Ablaufkanales eingetaucht.
Zu Beginn des Kraftwerkbetriebes waren 3 andere Turbinen eingebaut. Links eine Peltonturbine, in der Mitte und rechts Francisturbinen. 1937, 1940 und 1942 wurden die alten, verschlissen Turbinen gegen die heute noch installierten Voith – Francisturbinen ausgetauscht.
Hier ein Blick ins Innere einer geöffneten Francisturbine.
Die Funktion: Das von unten in die Turbine drückende Wasser durchströmt das Leitwerk und trifft radial auf das Laufrad. Im Laufrad, das ähnlich einer Spirale leicht gewendelt ist, wird das Wasser in achsiale Richtung umgelenkt, wo es dann über ein auf dem Bild fehlenden Winkelrohr in das Saugrohr abfließt. Durch das auf dem Bild geschlossene Leitwerk wird die Wasserdurchflußmenge und damit die erzeugte Leistung geregelt.
Die neue Maschinenanordnung:
Die Turbine und der Generator sind nicht mehr auf der gleichen auf einer Welle, sondern der Generator wird über einen Riemen angetrieben. Grund hierfür ist, daß so bei einem Wiedereinstau des Stausees die Einheiten leichter an die geänderten Druckverhältnisse angepaßt werden können, es müssten dann lediglich die Riemenscheiben ausgetauscht werden.